Border-Collies
Collies aller Art reagieren auf manche Medikamente mit einer Unverträglichkeit. Schon seit langem ist es bekannt, dass manche Collies und auch andere Hunde auf das Antiparasitikum Ivermectin (Ivomec®Wurm-und Milbenmittel) sehr empfindlich reagieren, ja sogar sterben können.
Es kommt schon ab einer Dosis von 100-150 µg/kg Körpergewicht zu sogenannten neurotoxischen Effekten (salopp gesagt das Hirn wird vergiftet) wie Benommenheit, Zittern, Erbrechen, Orientierungslosigkeit, Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Speicheln, Pupillenerweiterung....
Ab einer Dosis von ca. oral 200 µg/kg Körpergewicht fallen solche Patienten ins Koma und können sogar sterben.
 
Andere Collies und andere Rassen vertragen von diesem Mittel eine 10-fache Dosis ohne jeglich Vergiftungserscheinung. Warum?
Schuld an der Misere ist ein genetischer (vererbter) Defekt des MDR-1-Transporters im Gehirn.
 
Der MDR-1-Defekt kann auftreten bei (Reihenfolge nach Vorkommenshäufigkeit):
- klassischer Collie
- Bobtail/(Old) English Sheepdog
- Shetland Sheepdog (Sheltie)
- Australian Shepherd
- Border Collie
aber z.T. auch schon festgestellt bei:
Whippets und best. Windhund-Schlägen.
 
Dieser Transporter verhindert normalerweise als ein Teil der Blut-Hirn-Schrankedass giftige Verbindungen und Arzneistoffe aus den Blutgefässen aus- und ins Hirn übertreten können.
 
Wenn dieser MDR-1 aber quasi kaputt istkönnen nicht nur Ivermectinsondern auch zahlreiche andere fürs Gehirn schädliche Stoffe dort in bis zu 90-facher Konzentration hinein als bei anderen Hunden. Diese Stoffe zerstören dann die Nervenzellen und es können je nach Konzentration die oben genannten neurotox. Effekte und noch viele anderezum Teil lebensbedrohliche Wirkungen auftreten.
 
Also sollte man als Konsequenz einen großen Bogen um diese Medikamente schlagensie nur absolut genau(!!!) nach Dosierungsanleitung verwenden oder eben evtl. sogar seinen Hund auf diesen Defekt testen lassen (wäre z.B. für Züchter neben HDPRA und CEA evtl. interessant!)danach braucht man sich gar keine Sorgen um den MDR-1 mehr zu machen.
 
Im Rahmen der Forschungsstudie und wegen der steigenden Nachfrage bietet die Uni Gießen einen MDR-1-Test ziemlich günstig an.
 
Jetzt aber endgültig zu den wichtigsten Medikamenten (zusammengeragen durch Susi Kaufmann von der Uni-Tierklinik München)die bis jetzt schon gecheckt wurden (es gibt mit Sicherheit noch mehr) und sich als kritisch oder sogar gefährlich herausgestellt haben:
 
- Ivermectin s.o. (in D für Hund und Katze auch eigentlich gar nicht
zugelassen)
Allgemein sollte man nie Wurmmittel benutzenauch nicht aus der Gruppe
der Avermectine und der Milbemycinedie nicht ausdrücklich(!!!) für den
Hund zugelassen sind (es gibt da nämlich eine Unmengez.B. für Pferde)!!!
 
- Bei den Avermectinen ist Stronghold® zugelassen und möglich (hat zwar
nicht direkt was mit dem Thema zu tunaber mit Stronghold oder auch
Expot®beide spot-onssollten Hunde obligatorisch und unbedingt vor
einem Urlaub in südlichen Gefilden behandelt werden
-->Butparasitenbefall!!!aber auch hier auf die Dosierung achten und
nicht per os (= ins Maul bzw Magen) verabreichen!
 
- Die Gruppe der Milbemycine ist mit ihren Präparatendie für den Hund
zugelassen sind (Milbemax® und Program Plus® ) zwar sehr wirksam und
wegen der Größe und Struktur auch bequem einzugebensollte aber mit
Vorsicht verwendet und äußerst genau(!!!) dosiert werdenda es sich in
Test ergeben hatdaß MDR-1-Tiere schon ab nur der doppelten Dosis
unerwünschte Nebenwirkungen haben können.
 
- Ebenfalls ähnlich gefährlich wie Ivermectin kann sich der Wirkstoff
Loperamid (Immodium® = Antidiarrhoikum = gegen Durchfallkennen
wahrscheinlich eh die meisten von uns) auswirken.
 
- Dexamethason (viele Hersteller: Hexadreson®Voren®Noriplon®
u.v.m.) bei AllergienImmunsuppressivumKreislaufschocknichtinfektiösen
Entzündungen...
 
- Cyclosporin (Sandimmun® ) = Immunsuppressivum (PemphigusKeratitis
sicca...)
 
- Vincristin®Vinblastin® = Zytostatika (gegen Tumoren/Krebs)
 
- Sparfloxacin = Antibiotika
 
- Digoxin (Lanicor® ) = Glycosid (Herzmittel)
 
- Chinidin (Duriles® ) = Antiarrhytmikum (Herzmittel)
 
- Ondansetron (Zofran® ) = Antiemetikum (gegen Erbrechen)
 
Was man aber immer bedenken muss ist, dass es in anderen Ländern natürlich auch noch andere zugelassene Stoffgruppen und zig gleiche Inhaltsstoffe, aber unter anderem Namen geben wird, die auch gefährlich sein können.
 
Aber es gibt absolut keinen Grund zur Paniknur, ein winziger Teil der Border-Population hat überhaupt diesen Defekt und ist somit empfindlich für diese Arzneimittel. Ein Test bei der Uni Gießen bringt Klarheit, wenn man kein Risiko eingehen möchte.